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Dunkelsonne – Kapitel 3

Das erste, was den Beginn des Kampfes anzeigte war ein leises Zischen, und dann ein um so lauteres dumpfes Geräusch, das ein Bolzen macht, wenn er durch Rüstung hindurch auf Fleisch trifft.
Der Hochelf war schon tot, noch bevor er überhaupt erkannte, dass er angegriffen wurde.
Den anderen sollte weitaus Übleres bevorstehen…

Farwell von Klingenglanz war Hauptmann der goldenen Garde und somit ausgebildet bei den besten Schwertmeistern, die Hoeth je hervorgebracht hatte.
Seine Verpflichtung Hanwar Merlendorns gegenüber reicht schon bis in seine Kindheit zurück.
Damals hatte der junge Hanwar, ungestüm wie er war, den Vater Farwell’s zu einer Greifenjagt herausgefordert. Wer den abgetrennten Schädel des Greifen nach Hause brächte, dem gebührte Preis und Ehr, doch aus dem sportlichen Charakter dieser Jagt wurde schnell tödlicher Ernst.
Statt des gejagten Jungtieres standen die Jäger plötzlich einer ausgewachsenen Greifenmutter gegenüber, die das Leben ihres Kindes mit unvergleichlicher Wildheit beschützte.
Schon bald war beiden klar, das nur einer von ihnen diesem Kampf mit seinem Leben entrinnen konnte und so opferte sich Hanwar, der selbst keine Familie hatte, auf heldenhafte Weise, um dem Familienvater die Flucht zu ermöglichen.
Als dieser blutüberströmt zu den Seinen zurückkehrte, pries er den Mut Hanwars und erklärte für immer in dessen Schuld zu sein.
Und es passierte das unglaubliche: Hanwar erschien unter ihnen, in der Hand den abgetrennten Kopf des Greifen.
Seit diesem Tage stand die Familie derer von Klingenglanz in der Schuld Hanwars und mit dem Tode seines Vaters ging diese Schuld auf Farwell über.
Nach seiner Ausbildung wurde er dann Hauptmann der Garde und als Hanwar Freiwillige suchte war er der erste, der sich meldete.

So schlich er also nun, als Teil dieser unglückseligen Expedition, mit drei seiner Männer durch das Gebüsch, um irgendsoeinem komischen „Gefühl“ des Magiers nachzuforschen.
Wenn es nach ihm gänge, wären alle schon wieder auf den Pferden und dem Rückweg. Wenn er nur schon wieder in den Armen dieser süßen kleinen Elfin von vor zwei Wochen liegen könnte, dann…
Ein nur ganz flüchtiges Huschen am Rande seines Blickfeldes aktivierte in Sekundenschnelle seine Kampfreflexe. Mit nur einem Wort liess er darauf seine Kameraden ausschwärmen und ab da ging alles furchtbar schnell.
Der erste, der starb war Ralfor, ein junger Soldat, kaum 100 Jahre alt.
Der kleine, aber mit tödlichen Wiederhaken besetzte Bolzen in seinem Herz liess für Farwell nur einen Schluss zu – Druchii!
Einen Kampfschrei brüllend stürzte er sich in die Büsche, in der er die Angreifer vermutete, doch sein Angriff verpuffte wirkungslos.
Rasend vor Wut, aber ohne sichtbaren Gegner blieb den Hochelfen nichts anderes übrig, als zu warten.
Die nun folgende Stille war vollkommen und das einzige Geräusch, dass Farwell noch hörte war sein eigenes, rasendes Herz. Links von ihm lauerte Sandoval, ein älterer Elf mit dunklem Haar, der schon einige Schlachten hinter sich hatte und rechts sein Freund Morak von Halmenstein. Mit ihm hatte Farwell die harte Zeit seiner Ausbildung durchgemacht und sie waren zusammengeschweißt wie zwei Brüder.
Keiner der drei hatte auch nur die leiseste Ahnung aus welcher Richtung der nächste Angriff kam.

Von einem Moment auf den anderen waren sie über ihnen.
Zwei Schatten materialisierten sich mitten unter ihnen. Der eine, ein für einen Elfen massiger Koloss mit Muskeln, die einem Ork gut gestanden hätten, der andere mit der typisch sehnig-schlanken Gestalt die unter den Druchii verbreitet war.
Ohne Vorwarnung griffen sie an.
Während sich der große auf Sandoval stürzte sprang der schlankere Elf Farwell mit einem tödlich eleganten Sprung an, bevor dieser überhaupt reagieren konnte und versenkte seine Klinge tief in dessen Schulter.
Der wahre Sturm dieses Angriffes riss ihn von den Füßen. Zusammen rollten sie über den Boden, lösten sich voneinander und kamen wieder auf die Beine, doch der Druchii war ein weiteres mal schneller.
Gerade als Farwell mit seinem unverletzten Arm sein Schwert greifen wollte, trat ihm sein Gegner mit voller Wucht gegen das Kinn und sofort wurde die Welt schwarz um ihn.

Als er wieder erwachte sprang ihn der Schmerz an wie ein wildes Tier, nur auf der Suche nach einer weichen Stelle um seine Zähne zu versenken.
Sein Arm war völlig unbrauchbar und der Schmerz an dieser Stelle einfach nicht auszuhalten. Allein von der Wunde konnte dies nicht kommen, also hatten die Druchii ihre Waffen vergiftet – natürlich.
Farwells nächster Gedanke war – meine Waffenbrüder! – noch konnte er nichts erkennen, da überall in seinem Blickfeld schwarze Flecken schwirrten, aber so langsam besserte sich das.
Das erste, was er sah war Morak – Erleichterung durchströmte ihn, Morak lebte! Sein Freund schien irgendetwas direkt neben ihm zu tun. Als er dann etwas näher hinguckte erkannte er – und es wurde ihm unsagbar schlecht.
Es war Sandoval, aber er war es auch wieder nicht.
Die Kleidung gehörte ihm, aber sie war so blutverschmiert, dass sie kaum wiederzuerkennen war und dort wo sich sein Kopf befinden sollte war – nichts.

Der Druchii hatte ihm mit bloßen Händen den Kopf abgerissen!
Warum hatten sie überlebt?

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