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Dunkelsonne – Kapitel 2

V’aron hatte lange auf solch eine Gelegenheit gewartet. Diese ahnungslosen und schwächlichen Hochelfen sind gerade an seiner Nase vorbeispaziert.
Wenn er gewollt hätte, wären sie schon alle tot, doch das widerspräche seiner Natur.
Ein Jäger braucht die Herausforderung der Jagt, den Blick eines Opfers, wenn es realisiert, daß es ihm auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist. Das Crescendo der Angst, das gipfelt in dem finalen Akt des Mordens!
Also hatte er sie unverrichteter Dinge weiterziehen lassen, nur mit dem Wissen, daß ihm und seiner kleinen Gruppe Schatten ein paar wundervoll ausgefüllte Tage – und vor allen Dingen – Nächte bevorstehen würden.

Kauernd in einem winzigen Gebüsch, wartete er bis die Schritte lauter wurden.
„Nur vier Mann!“ murmelte er mit einem schmalen Grinsen auf seinem Gesicht, „sie haben uns wirklich nicht entdeckt.“
Nach einer Handbewegung von ihm, spürte er, wie sich seine Gefährten bereit machten. Hören konnte er trotz seines ausgebildeten Gehörs nichts, was wiedereinmal bewies, daß er nur die besten seines ganzen Gefolges auserwählt hatte.
Da waren Lwaana, eine noch junge Dunkelelfin, die aber trotz ihres Alters schon fast so viele Tote auf ihrem Gewissen hatte, wie er selbst, dann Firun, ein eher zurückgezogener Elf, von dem man nur wusste, daß er schon mal eigenhändig, nur mit einem Dolch bewaffnet eine ganze Schiffsbesatzung Menschenkrieger, innerhalb von 10 Minuten ihrem Schöpfer zugeführt hatte.
Desweiteren gehörte Kran ihrer kleinen Gruppe an.
Kran war jahrelanger Champion der Karond’er Schützenwettkämpfen, indem er nach jedem Durchgang einfach alle Mitbewerber, die tatsächlich besser waren als er, ermorden lies.
Zuletzt kam Sandolas von Naggaroth. Bei ihm war sich V’aron sicher, daß er ein Spion des Hexenkönigs selbst sei, ihm zugeteilt, um all seine Schritte auf Ulthuan zu überwachen und weiterzuleiten.
Aber da er ein fähiger Kundschafter war, lies V’aron ihn ersteinmal ein Ruhe. Falls er sich doch als Bedrohung herausstellte, werde man ihn immernoch beseitigen können.

Das Knacken eines kleinen Zweiges holte ihn wieder in die Gegenwart zurück.
„Anfänger!“ dachte er, und ihn durchzuckte der Gedanke, das dies doch keine herrausfordernde Beute sei.
Er wollte schon das Signal geben, daß seine Gefährten veranlassen würde, kurzen Prozess zu machen, als der Anführer der Hochelfen doch etwas merkte, und reaktionsschneller, als V’aron ihm zugetraut hatte, seine Gruppe in Kampfposition ausschwärmen lies.
Es schien also doch noch interessant zu werden.
Die Luft war kühl und von einem schweren Duft erfüllt, der ihn erregte, aber auch seine Sinne vernebelte. V’aron riss sich also zusammen und konzentrierte sich auf seine Umgebung.
Die Jagt war eröffnet.

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