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Dunkelsonne – Kapitel 1

Langsam sank der blutrote Feuerball hinter die Wipfel des Drakenwaldes.
Silbermond aus dem Hause Isildur wusste, das sie verloren hatte.
Von Ihrem einst so starken und prachtvollem Gefolge war nur noch ein kümmerlicher Rest übriggeblieben…

Dabei hatte alles so vielversprechend angefangen.
Nachdem sie wochenlang Volan von Draken, ihrem Verlobten in den Ohren gelegen hatte, stimmte dieser vor genau 12 Tagen endlich zu, die lange Reise bis in den Westen mit Ihr zu unternehmen.
Schnell wurde eine angemessene Reisegesellschaft zusammengestellt um sie beide zu begleiten und zu unterhalten.
Da war zuallererst Hanwar Merlendorn, rechte Hand und altehrwürdiger Lehrer Volans. Immer besorgt um das Wohlergehen seines Schützlings lies er es sich nicht nehmen, eigenhändig eine Leibgarde aus 10 schwer gerüsteten Silberhelmen zusammenzustellen, die wohl mit jeglicher Gefahr, die auf solch einer Reise drohen könnte, fertig werden würden.
Dazu kam ihr Cousin Makran Silberstein, der gerade seine Studien in Hoeth beendet hatte und sich nun „Meister der magischen Künste“ nennen durfte. Mit ihm hatte sie fast ihre ganze Kindheit verbracht und so freute sie sich auf dieses Wiedersehen und die Möglichkeit, lange Gespräche über vergangene Zeiten zu führen.
Zuguterletzt kam das ganze Gesinde, angeführt von ihrer alten Magd Blume. Diese hatte sie aufgezogen und war ihr seit dem Tod ihrer leiblichen, immer eine gute Mutter gewesen.

So brachen sie also gemeinsam, an einem frostigen Vor-Winter-Tag, früh im Morgengrauen, auf.
Nun ja, bis sie am sechsten Tag in die Schattenlande eintrafen geschah nichts besonderes.
Die kleine Gruppe vergnügte sich prächtig mit Reisen, Jagen und Diskutieren, bis eines Abends, beim gemütlichen Beisammensein am Lagerfeuer, Makran ein frostiges Prickeln den Rücken herunterlief.
Bei stundenlangen Meditationen im Turm der Magier, hatte er gelernt auf dieses Zeichen zu hören, und so versuchte er möglichst unauffällig Hanwar eine Botschaft zukommenzulassen.
Obwohl dieser schon vom Wein etwas benebelt war, merkte er doch, daß etwas ganz und gar nicht stimmte… Jahrzehntelange Erfahrung veranlasste ihn unverzüglich und besonders unauffällig mehrere seiner Männer in die umliegenden Gebüsche zu schicken um die unwirtliche Umgebung zu erkunden. Von Gemütlichkeit war keine Spur mehr. Alle warteten gespannt, das etwas passierte oder die Männer wieder zurückkämen und Entwarnung gäben. Die sechs zurückgebliebenen der Leibwache scharrten sich unauffällig um das Grafenpärchen, um sie vor allen Eventualitäten zu schützen.
Doch es passierte – nichts.
Weder war irgendein Geräusch zu hören, noch jemand zu sehen. Da das Feuer auf der Ebene nicht viel weiter als bis zur nächsten Baumgruppe reichte, blieb der Gruppe nichts anderes übrig als zu warten.

Als auch nach drei Stunden noch niemand zurückgekehrt war, schickte Anwar zwei weitere Männer los. Irgendwas war eindeutig nicht so wie es sein sollte, also wies er sie an, zusammenzubleiben und ja nicht außer Rufweite zugeraten.
Mit ernstem Gesicht gürteten sich diese ihre Schwerter um und schlichen in die Dunkelheit.
Das war das letzte, was von ihnen je gesehen wurde.

Von den anderen Vieren fand man am nächsten Morgen Einzelteile über die ganze Lichtung verstreut.
Das hielt Silbermond nicht länger aus. Von Weinkrämpfen geschüttelt, konnte sie nur noch „Bringt mich nach Hause“ stammeln, bevor sie endgültig zusammenbrach.
Da er den Ernst der Situation erkannte, blies Volan kurz nach Morgengrauen zum Aufbruch. Silbermond wurde in die Küchenkutsche gebettet, wo sie von Blume umsorgt werden konnte.
Zusammengezogen zu einem dichten Sicherheitskokon, machten sie sich auf den Heimweg.

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